Eine Schule von Morgen – Wie könnte die Zukunft der Bildung aussehen?

August 25, 2021 0 Von Doran Urban

Wie sieht die Schule in unserer Vision einer Utopie aus?

Mit dieser Frage haben wir uns zwei Tage lang im Rahmen der Utopie-Konferenz der Universität Leuphana beschäftigt.


Meine Idee

Ich habe mit meiner Gruppe den Ansatz genommen, den Inhalt der Schule neu zu denken. Unsere Gruppenergebnisse können sie hier in Form eines Wochenablaufes sehen. Über meine eigenen Gedanken und Ideen möchte ich hier in diesen Beitrag berichten. Das Erste, woran ich gedacht hatte, war die freie Wahl von Themen, auf den man einen Fokus legen möchte. Ich finde, es ist eine wichtige und gute Sache, dass man schon ab der Sekundarstufe I teilweise auswählen kann, wo seine Interessen sind und in welchen Bereich man noch Lernen möchte; ich konnte am Anfang der Sekundarstufe I einen Wahlpflicht Kurs im Bereich Naturwissenschaften+Informatik wählen und am Ende sogar einen Sportkurs im Bereich Rückschlagspiele. Jetzt in der Sekundarstufe II fängt es erst mal mit etwas anderen Entscheidungen an; ich kann aus den 3 großen Naturwissenschaften 2 wählen, die ich weiter machen möchte; ich kann wählen, ob ich Religion oder Philosophie und Geographie oder Geschichte besser finde; abschließend kann ich wählen, welches künstlerisches Fach ich praktizieren möchte: Kunst, Musik oder Theater. Im nächsten Schuljahr bekomme ich dann auch die Wahl meines Profils und die Wahl meines Sportkurses. All dieses Wählen ist eine gute Sache die in die richtige Richtung geht, aber ich finde, dass es noch extremer gehen kann.

In meiner Vision können alle Schüler und Schülerinnen ab der Sekundarstufe frei Wählen was für Unterrichtsthemen sie haben wollen, sie erhalten aber noch an einem Tag in der Woche die benötigte Allgemeinbildung, (in Mathe, Englisch, Deutsch, Naturwissenschaften, Geschichte, etc.) der Rest der Woche ist aber voller Kurse, welche sie frei gewählt haben. Die Anzahl der mindestens zu nehmenden Kurse und unverbindliche Empfehlungen teilt die Schule am Anfang des Halbjahres jeden Schüler und jeder Schülerin mit. Da mein Ziel ist, dass man in der Schule mit jeden möglichen Thema bedient wird muss es schulübergreifende Kursangebote geben, welche am besten auch bundesweit gelten, um dies zu vereinfachen und zu Ermöglichen würde dieses Kursangebot auch größtenteils digital existieren. Eine Schule allein kann ja auf keiner weise jeden erdenklichen Kurs anbieten. Der Stundenplan an so einer Schule würde sich jedes Halbjahr oder sogar noch öfters ändern, nicht mal am allgemeinbildenden Tag sollte jedes Jahr relativ gleich aussehen. Man behält die Freiheit jedes Jahr die exakt gleichen Kurse zu nehmen, ob das aber eine gute Idee ist ist eine andere Frage. Die Pflicht zur Teilnahme an diesem System bleibt genau so wie sie aktuell ist, bis zur 9. Klasse muss man zu dieser „normalen“ Schule gehen und bis zur 13. Klasse kann man weiter auf solch eine Schule gehen. Der Schultag beginnt in der Regel um 9 Uhr und geht bis 16 Uhr, die Stunden sind 90 Minuten lang und haben im Anschluss immer 30-minütige Pausen, in denen man die Zeit frei nutzen kann (Die Schule sollte auf dem Gelände viele Möglichkeiten bieten, sich kreativ zu entfalten; ein Kunststudio, Tonstudio, eine Werkstatt und viel anderes.) Ein Stundenplan eines theoretischen 9 Klässlers nach meiner Idee könnte zum Beispiel so aussehen:

ZeitMontagDienstagMittwochDonnerstagFreitag
9:00-10:30MatheGeschichte-„Von der Dampfmaschiene zum Moderenen Motor“Physik-„Physik des Weltraums“Informatik-„Programmieren in Python“ (Digital)
11:00-12:30EnglischAktuellle Nachrichten & EntwicklungenFinanzenStrategische Spiele (Digital)
13:30-14:30DeutschSprache&Kultur RusslandsMathe-„Alles zu Funktionen“Chemie-„Biologische Chemie“Handball
15:00-16:30Literatur-„Abenteuerromane“Biologie-„Mikroskopisches Leben“Holzarbeit
Stundenplan des 9 Klässlers Max Mustermann

Max hat in diesem Jahr als Allgemeinbildendefächer Mathe, Englisch und Deutsch, im vorherigen Halbjahr hatte er Englisch, Chemie und Physik und im nächsten Halbjahr hat er voraussichtlich Mathe, Geschichte und Deutsch. Er interessiert sich für Motoren, Weltraumfahrt und Handwerken und hat deswegen 3 Zugehörige Kurse gewählt. Außerdem hat er digital in seiner Freizeit ein paar russische Personen kennengelernt und möchte deswegen mehr über die Sprache und Kultur erfahren. Auf Empfehlung seiner Eltern belegt er den „Finanzen“ Kurs und auf Empfehlung seiner Mathelehrerin belegt er den „Alles zu Funktionen“ Kurs. Sein Deutschlehrer hat Max außerdem nach Rücksprache geraten, dass er den „Abenteuerromane“ Kurs belegen soll. Die naturwissenschaftlichen Kurse am Donnerstag hat er auf einer anderen nahegelegenen Schule, welche sich in Naturwissenschaften spezialisiert. Am Freitag hat er teilweise Fernunterricht, an welchen er von zuhause teilnimmt. Danach hat er, wieder auf dem Gelände einer anderen Schule, Handball und Holzarbeit

Ich könnte jetzt noch weitere Beispiele von Stundenplänen geben, aber ich denke, man versteht, dass jeder mit diesem System einen komplett individuellen Stundenplan haben wird. Man soll seine eigenen Interessen in den Stundenplan einbringen und sich auch an zukünftiger Berufs/Studienwahl orientieren.

Jetzt aber fragt man sich bestimmt, wie das Ganze bewertet wird. Nicht jeder ist zu einer bestimmten Zeit auf einen bestimmten Stand, was Teste und Klausuren schwer zu planen macht, deswegen sollte man nicht auf dessen Basis bewertet werden. Stattdessen schaut man sich die allgemeinen Kompetenzen an: Teamfähigkeit, Problemlösefähigkeit, Eigenständigkeit, (wenn benötigt) Professionalität und Zuverlässigkeit. Erbrachte Leistungen können natürlich auch in die Bewertung einfließen, wobei auch die Verbesserung im Vergleich zum Anfang des Kurses beachtet werden. Das heißt, wenn jemand der eigentlich richtig schlecht in Mathe ist sich in einem Kurs rasant verbessert und am Ende auf einen, nicht perfekten, aber zehnfachbesseren Stand befindet wird er genau so gut bewertet wie eine Person die schon immer Mathe perfekt konnte und auch in diesen Kurs eine perfekte Leistung erbringt. Ziel dieser Bewertungen ist es, dass ein zukünftiger Arbeitgeber schnell sehen kann, wie anpassbar und lernfähig die Person ist. Anhand des Abschlusszeugnisses soll man z.B. schon vor dem Vorstellungsgespräch einschätzen können, ob die Person für den Beruf geeignet ist.

Großer Teil meiner Idee ist es auch Schulen, Schüler und Schülerinnen so modern wie möglich auszustatten. Jeder sollte in der Lage sein digital zu arbeiten und jeder sollte in der Lage sein vor Ort hochwertige Ausrüstung und Ausstattung zu verwenden. An meinen vorherigen Beispielstundenplan kann man es nicht wirklich sehen, es soll aber auch möglich sein mehrere Tage in der Woche komplett digital Unterrichtet zu werden.


Mögliche Probleme und Fragen

Es gibt natürlich bei der Umsetzung dieser Idee viele Probleme, die Auftreten können, hier ist eine Liste mit denen, die mir bis jetzt aufgefallen sind

  • Wer unterrichtet all die Kurse? Wird es genug Lehrer geben, um jeden Kurs zu unterrichten?
  • Wie garantiert man, dass die Schüler und Schülerinnen eine vernünftige Kurswahl treffen?
  • Wie finanziert man die moderne Ausstattung und die ganzen Fachkräfte?
  • Sollte man wirklich nicht auf Grundlage der Leistung bewertet werden?
  • Was ist mit Personen in ruralen Gebieten? Ihre Internetverbindung ist möglicher weise sehr eingeschränkt und es sind kaum Schulen in der Nähe, wie garantiert man die gleiche Kursvielfalt wie in der Stadt?
  • Was ist Teil der Allgemeinbildung und was ist besser in einen Fachkurs?

Meine Inspirationen und Erfahrungen

Großer Treiber meiner Idee, in welcher man selbst seinen Unterricht aussucht, ist meine Erfahrung mit außerschulischen Kursen und AGs. Ich habe zum Beispiel im Rahmen des schleswig-holsteinischen „Enrichment-Programm“ viele meiner Fähigkeiten und Interessen entwickelt. In diesem Programm hatte ich ersten richtigen Kontakt mit der Programmierung; ich hatte erst einen Kurs in der Programmierumgebung Scratch und anschließend einen Kurs über Programmierung von Raspberry-Pis mit Python und der nutzung der GPIO-pins belegt.

Außerdem hatte ich einen Russisch-Kurs belegt, welcher aber aufgrund der Pandemie nicht lange durchgeführt wurde. Neben diesem Kursprogramm hatte ich natürlich auch andere positive Erfahrungen mit Kursen, AGs und ähnlichen. Deswegen bin ich sehr zuversichtlich, dass Kurs-basierten und frei wählbarer Unterricht die Zukunft sein könnte. Auch durch eigenständiges lernen mithilfe des Internets habe ich viele Interessen und Fähigkeiten entwickelt. Dazu habe ich auch einen guten Eindruck des Online-Unterrichts während des Lockdowns bekommen, weswegen ich mir sicher bin, dass digitaler Unterricht eine exzellente Idee ist.

Außerdem haben mich diese beiden Artikel beim finden meiner Idee geholfen:

Lernen mit dem Wochenplan

Das dezentrale Klassenzimmer


Was kann man jetzt schon tun?

Jetzt denken sie lieber Leser vielleicht, was man jetzt in diesen Moment tun kann, um diese Ideen umzusetzen. Dazu habe ich ein paar Fragen an sie: Können sie irgendwas richtig gut, sei es Kreatives, Wissenschaftliches oder anderes? Sehen sie sich in der Lage ihr können weiterzugeben? Stellen sie es sich spaßig vor jungen Menschen etwas beizubringen? Wollen sie junge Menschen inspirieren ein Hobby anzunehmen?

Wenn sie ein paar dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, habe ich einen Vorschlag für sie: Setzen sie sich mit einer Bildungseinrichtung in ihrer Nähe oder dem Bildungsministerium ihres Bundeslandes in Verbindung und bringen sie in Erfahrung, ob und wie sie einen Kurs über ihren Fachbereich für Schüler und Schülerinnen der Sekundarstufe organisieren können. Leiten sie den Kurs in die Wege, setzten sie sich dafür ein, dass mehr Kurse folgen werden, seien sie die Veränderung, welche sie in der Zukunft sehen wollen!

Je mehr Schüler und Schülerinnen inspiriert werden erfolgreich an Kursen teilzunehmen, desto mehr wird man darüber Nachdenken unser aktuelles Schulsystem mit einen Kursbasierenden zu ersetzen oder es mit mehr Kursen anzureichern.